10 Tipps zur kirchlichen Trauung

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Hey ihr Lieben,

diese Woche habe ich mir mal ein paar Tipps für eure kirchliche Trauung überlegt. Nächste Woche kommen die Tipps zur hinduistischen Trauung:)
Auch wenn es immer mehr freie Trauungen gibt, entscheiden sich ja doch viele von euch christlichen Brautpaaren noch zu einer kirchlichen Hochzeit. Vorneweg aber gleich ein Tipp von mir: Falls der einzige Grund für eine kirchliche Trauung bei euch der sein sollte, dass ihr es feierlich haben wollt, würde ich euch eher zu einer freien Trauung raten. Denn letztlich gebt ihr euch bei einer kirchlichen Trauung ‘vor Gott’ das Ja-Wort und solltet euch damit befassen, was das im speziellen bedeutet. Generell möchte ich euch ans Herz legen. Bleibt die, die ihr seid!

1. Trauort
Ihr müsst nicht in eurer Heimatgemeinde heiraten. Ihr könnt euch im prinzip einfach eine Kirche aussuchen, die euch persönlich am besten gefällt. Aber dafür müsst ihr euch bei eurem Heimatpfarrer eine Genehmigung einholen, d.h. ihr ruft im für euch zuständigen Pfarramt an und teilt eurem Pfarrer mit, wo ihr getraut werden wollt. Der Pfarrer gibt euch eine Genehmigung mit, die ihr bei eurer Wunschkirche einreichen müsst. Mein Tipp: Wenn ihr euch die Traulocation aussucht, denkt auch immer an eure Gästezahl. Wenn ihr etwa 80 Gäste habt, die Kirche aber locker 400 Menschen beherbergen könnte, wird eure Festgesellschaft etwas verloren wirken. Ebenso ist es nicht schön zusammengequetscht und in den Achseln des Sitznachbarn hängend im Hintereingang zu stehen. So geschehen auf einer Trauung, bei der die Sitzplätze nicht annähernd gereicht hatten und die Kapelle so klein war, dass sich noch in der Ausgangstür die Gäste zusammen drängten, auf Zehenspitzen stehend, hoffend einen Blick aufs Brautpaar zu erhaschen. Damit ist dann leider eine feierliche Stimmung gleich vorbei. Falls die Sitzbänke nicht reichen, der hintere Teil der Kirche aber Platz bietet, sind Klappstühle eine gute Lösung! Ach, und nicht einmal eine Kirche ist nötig, um katholisch, evangelisch oder ökumenisch zu heiraten. Stimmt der Pfarrer zu, kann er die Zeremonie auch auf einem Berggipfel oder auf dem Meeresgrund abhalten.

2. Pfarrer und das Traugespräch
Ich kann nur empfehlen (wenn ihr nicht in eurer Heimatgemeinde heiratet) euch so früh wie möglich mit ‘eurem’ Pfarrer vertraut zu machen. Ihr werdet mit eurem Pfarrer noch ein Traugespräch haben, bei dem ihr über den Ablauf des Gottesdienstes spricht . Ihr könnt aber auch ein Kennenlerngespräch vereinbaren; einfach im Pfarramt anrufen und euch erkundigen.

3. Wer führt die Braut zum Altar?
Tatsächlich: Keiner! Außer der Bräutigam, diese Variante hat es in Deutschland eigentlich nie gegeben, denn traditionell gehen in der Kirche Braut und Bräutigam zu Zweit zum Altar und beginnen den Weg in die Ehe gemeinsam und auch als gleichberechtigte Partner. Die Tradition “Braut am Arm des Vaters” ist aus Hollywoodfilmen bekannt, let­zten Endes gibt es diese Einzugsvari­ante aber eigentlich nur in südeu­ropäis­chen und angloamerikanis­chen Län­dern. Generell gilt: Ihr könntet auch mit Mama, Oma, Tante oder einem anderen Vertrauten zum Altar schreiten; mit dem Mann hat es finde ich eine noch viel schönere symbolische Kraft, nämlich den Weg gemeinsam anzutreten.

4. Ihr seid gefragt bei der Gestaltung
Ihr wollt eine individuelle, schöne Trauung? Dann kann ich euch nur einen Tipp geben: Bringt euch so viel wie möglich ein! Und je mehr ihr euch einbringt, desto schöner wird es auch für euch werden. Zum Beispiel könnt ihr euch einen Leitgedanken für die Trauung überlegen. Ein Gänsehautmoment für mich war die Trauung einer guten Freundin, die ihr Motto nach dem Coldplay-Lied “A Sky full of Stars” gewählt hat. Die Lesung und auch Predigt haben sich nach diesem Motto gerichtet. Was könnt ihr im besonderen tun? Ihr könnt euch den Lesungstext aussuchen, der kein Bibeltext sein muss! Ebenso könnt ihr die Fürbitten selbst formulieren oder moderne Varianten wählen. Feierlicher wird es auch, wenn eure Freunde und Verwandten die vorlesen.

5. Kirchenheft
Damit eure Gäste auch wissen, wie der Ablauf der Trauung sein wird, welche Lieder gesungen werden und wann was passiert, empfehle ich unbedingt ein Kirchenheft. Wer nicht selbst basteln will, kann sich schöne Exemplare anfertigen lassen oder für Sommerhochzeiten auch in der Form eines Fächers. Im Kirchenheft enthalten sein kann:
euer Trauspruch (falls vorhanden)
der Ablauf
die Liedtexte (falls zum Mitsingen)
die Namen eurer Vorleser
Dankesworte an eure Helfer

6. Eheseminar? Oh Schreck oder Segen?
Ja, richtig gehört, “Ehevorbereitungsseminar” heißt es in der katholischen Kirche. Es ist schon länger nicht mehr obligatorisch, dennoch finde ich selber eine gute Sache. Denn es handelt sich eher um einen locker lässigen Wochenendworkshop, bei dem ihr mit ca. 8 anderen Brautpaaren zusammen seid und euch Gedanken darüber macht, wie ihr euch das Eheleben vorstellt. Es klingt erstmal komisch, aber keine Sorge: Ihr werdet nicht “missioniert”. Warum? Normalerweise geht es in der Vorbereitungszeit zur Hochzeit um die Farbe von Blumen, die Größe des Kleides, die Auswahl des Menüs oder der Papeterie. Was aber leider oft zu kurz kommt, sind die wichtigen Dinge: Wie soll unser Eheleben aussehen? Was wünschen wir uns? Wie würden wir unsere Kinder erziehen? In dem Workshop habt ihr die Gelegenheit mal als Paar über euch nachzudenken, auch worauf ihr euch am meisten freut, was ihr am anderen liebt. Sehr schöne Gedanken einfach.

7. Was mit Kindern?
Habt ihr viele Kinder bei eurer Hochzeit und habt Angst, dass sie den Gottesdienst aus Langeweile “verplärren”? Kein Problem. Wichtig ist: Viel singen und etwa auch Lieder, die alle kennen! Kinder lieben singen! Ebenso schön, wenn eine der vorgelesenen Geschichten auch für Kinder interessant ist. Erlaubt außerdem Spielzeug in der Kirche. Und vielleicht könntet ihr ja die Eltern mit den kleinsten Kindern schon vorher darauf hinweisen, dass sie sich an den Rand der Bänke setzen können. Dann können sie doch schnell mal mit den Kleinen raushuschen. Und eine tolle Idee : Vor der Kirche an einer Schnur kleine Kirchen-Survival-Packs aufhängen! Darin können sein: Seifenblasen, ein Auto, Malsachen und Süßigkeiten für die größeren Kinder. Für die Kleinen: ein Glas Obst oder Brei mit Plastiklöffel (zur möglichen Bestechung während des Gottesdienstes).

8. Lieder
Bei den Liedern ist auch eurer eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt! Aber: Sprecht sie vorher mit eurem Pfarrer ab im Traugespräch. Auch wenn es oft heißt, dass Pfarrer sehr konservativ sein sollen, habe ich bislang eher die gegenteilige Erfahrung gemacht. Sprecht offen an, was euch das Lied bedeutet. In der Regel ist es kein problem auch ein modernes “Poplied” zu wählen. (Außer natürlich ihr wollt einen Death Metal Song, dann dürftet ihr Überzeugungsschwierigkeiten haben). Falls ihr einen Chor wählt, können euch die Sänger bei der Auswahl der Musikstücke behilflich sein. Achtet darauf, dass die Musikstücke zusammen gerechnet nicht alle ewig lang dauern, nicht dass eure Trauung deshalb unnötig langweilig wird. Ihr könnt auch ruhig “moderne” Lieder wählen; es müssen nicht immer Lieder aus dem Kirchenbuch sein. Meine Favoriten für Gänsehautmomente :
John Legend – All of me;
Adele – Make you feel my love;
Gregor Meyle – Du bist das Licht;
Coldplay – Fix You
Ludovico Einaudi – Dietro Casa

9. Dekoration der Kirchenbänke und Blumenblüten streuen
Ein schönes Ambiente in der Kirche kann Wunder wirken! Allerdings sind Kirchenbänke oftmals leider nicht die hübschesten Einrichtungsgegenstände. Zudem könnten gewisse Richtlinien auf euch zukommen, die recht knifflig sind für eure Floristen: kein Klebestreifen an den Bänken, geschweige denn Nägel oder Haken, nichts darf Rückstände hinterlassen und auf dem Boden darf nichts abfärben. Sprecht vorher unbedingt mit dem Pfarrer darüber, was genau erlaubt ist und was nicht. Sprecht dies mit eurem Floristen ab, damit sie/er sich gleich eine passende Lösung überlegen kann. Das Gleiche gilt übrigens fürs Blütenstreuen der Blumenkinder! Nicht in jeder Kirche ist das möglich oder erlaubt, da etwa der Teppich sonst aufwendig gereinigt werden müsste. Fragt auch hier vorher nach, bevor ihr euch unnötig Zorn einhandelt.

10. Traukerze
Die Hochzeitskerze hat eine wunderschöne Symbolik; einmal entzündet soll sie euch immer an den Moment der Trauung erinnern. Und in Zeiten der Not, Ängste, Sorgen oder auch ehelicher Krisen könnt ihr sie daheim wieder anzünden, damit sie euch an das “Ja” erinnert.

Ich hoffe ihr habt den ein oder anderen Tipp gebrauchen können! Ich wünsche euch ein wunderschönes Wochenende! Bis nächsten Freitag :)

Xoxo,
Arlene

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